Herrschaft

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Herrschaft

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Herr|schaft ['h…õr Éaft], die; -, -en:
1. <ohne Plural> Recht und Macht, √ľber etwas, jmdn. zu herrschen:
eine unumschr√§nkte, autorit√§re, demokratische Herrschaft; die Herrschaft des Staates, der Parteien; die Herrschaft √ľber ein Land innehaben, aus√ľben; die Herrschaft an sich rei√üen, antreten; der Fahrer hatte die Herrschaft √ľber den Wagen verloren (war nicht mehr f√§hig, den Wagen richtig zu lenken).
Syn.: ‚ÜĎ Gewalt, ‚ÜĎ Macht.
Zus.: Alleinherrschaft, Volksherrschaft.
2. <Plural> Damen und Herren [in Gesellschaft]:
ältere, vornehme Herrschaften; die Herrschaften werden gebeten, ihre Plätze einzunehmen.

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HeŐ£rr|schaft ‚Ć©f. 20‚Ć™
I ‚Ć©unz.‚Ć™ Befehlsgewalt, Regierungsgewalt, Macht ‚óŹ \Herrschaft! ‚Ć©verh√ľllend‚Ć™ Herrgott! (Ausruf des Unwillens); \Herrschaft, das habe ich ganz vergessen! o weh; \Herrschaft, ist das schwer! ‚óŹ die \Herrschaft antreten; die (unbestrittene) \Herrschaft aus√ľben ‚óŹ die \Herrschaft an sich rei√üen; die \Herrschaft √ľber eine Maschine, ein Auto verlieren; unter seiner \Herrschaft w√§hrend seiner Regierungszeit; unter deutscher \Herrschaft
II ‚Ć©z√§hlb.‚Ć™
1. ‚Ć©fr√ľher‚Ć™
1.2 der Dienst-, Gutsherr u. seine Familie
2. ‚Ć©Pl.‚Ć™
2.1 die \Herrschaften Herr u. Dame des Hauses (gegen√ľber den Dienstboten)
2.2 \Herrschaften Herr(en) u. Dame(n) in Gesellschaft
‚óŹ darf ich die \Herrschaften zum Essen bitten?; \Herrschaften, so geht das nicht weiter! ‚Ć©scherzh.-mahnende Anrede an Untergebene od. Halbw√ľchsige‚Ć™; sind die \Herrschaften zu Hause?; w√ľnschen die \Herrschaften etwas zu trinken?; meine \Herrschaften!; hier, meine \Herrschaften, sehen Sie ein Bild des ...; die hohen \Herrschaften der F√ľrst od. Gutsherr u. seine Familie; ‚Ć©a. iron.‚Ć™ hochgestellte Pers√∂nlichkeiten; sie hat immer bei guten \Herrschaften gedient
[<ahd. herschaf(t) ‚ÄěHoheit, Herrlichkeit, W√ľrde, Hochmut, Recht u. Besitztum eines Herrn, Obrigkeit, oberherrl. Amt u. Gebiet, Herrscherfamilie, Herr u. Herrin‚Äú; zu hehr, sp√§ter auf Herr bezogen]

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HeŐ£rr|schaft , die; -, -en [mhd. heŐĄrschaft = Hoheit, Herrlichkeit, W√ľrde; Hochmut; Recht u. Besitztum eines Herrn; Obrigkeit; oberherrliches Amt u. Gebiet; Herrscherfamilie; Herr u. Herrin, ahd. herscaf(t) = Herrschaft (1); W√ľrde; ehrenvolles Amt, zu: heŐĄr, ‚ÜĎ hehr; schon fr√ľh beeinflusst von ‚ÜĎ Herr]:
1. <o. Pl.> Recht u. Macht, √ľber jmdn. zu herrschen:
eine absolute, unumschränkte, autoritäre, demokratische H.;
die H. des Staates, der Parteien, des Systems;
der Diktator bem√§chtigte sich der H. √ľber das Land;
die H. [√ľber jmdn., etw.] innehaben, aus√ľben, an sich rei√üen, antreten;
seine H. √ľber die ganze Welt ausweiten wollen;
unter der H. (Regierungs-, Befehlsgewalt) des Kaisers, des Proletariats;
sie waren unter die H. (Regierung) der Spanier gekommen;
zur H. gelangen, kommen (die Regierungsnachfolge antreten);
√ú der Fahrer verlor die H. √ľber das Auto (konnte das Auto nicht mehr steuern).
2.
a) <Pl.> Damen u. Herren [in Gesellschaft]:
ältere, vornehme -en;
fremde -en sind angekommen;
die -en werden gebeten, ihre Plätze einzunehmen;
meine sehr verehrten -en!;
‚ėÜ Alte -en (ugs. scherzh.; Eltern);
b) (veraltend) Dienstherr von Hausangestellten u. seine Angehörigen:
die -en sind ausgegangen;
seiner H. treu ergeben sein;
bei einer feinen, g√ľtigen H. dienen;
c) Person, die √ľber jmdn. herrscht, bzw. Personen, die √ľber jmdn. herrschen:
die allerhöchsten -en (veraltend; der Kaiser u. die Kaiserin);
sie wurden von der H. drangsaliert.
3. (Geschichte) Besitztum, Landgut eines Freiherrn od. Standesherrn.
4.
‚ėÜ H. [noch mal]! (ugs.; Ausruf des Unwillens; verh√ľll. f√ľr ‚ÜĎ Herrgott 1).

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Herrschaft,
 
die universell verbreitete, institutionalisierte Form der Machtaus√ľbung, der sozialen √úber- und Unterordnung. Herrschaft regelt verbindlich die Beziehungen zwischen den Mitgliedern einer Gesellschaft oder einer sozialen Gruppe. Herrschaft bedarf der Gehorsamsbereitschaft der ihr Unterworfenen und der Legitimierung der Machtaus√ľbung, um auf Dauer bestehen zu k√∂nnen; dabei ist es wesentlich, ob Herrschende und Beherrschte eine gemeinsame Wert- und Rechtsordnung anerkennen und inwieweit Herrschaftsaus√ľbung im Gegensatz zu Willk√ľr und Gewalt - berechenbar f√ľr die Betroffenen ist.
 
Im politischen Raum ist der Staat die organisierte Form der Herrschaft; die staatliche Herrschaft erhält ihr besonderes Gewicht durch ihre gesamtgesellschaftliche Tragweite; sie durchwirkt nicht nur die Innenbeziehungen der Gesellschaft, sondern umfasst auch die zwischenstaatlichen Beziehungen (u. a. im Sinne von Hegemonie). Herrschaft ist zugleich eine Erscheinung in Teilbereichen der Gesellschaft, z. B. in der Familie, in Betrieben und Unternehmen, in Institutionen (Schule, Universität) und Organisationen (Parteien, Gewerkschaften, Verbände).
 
Der Zweck der Herrschaft ist von der Auffassung √ľber die Natur des Menschen abh√§ngig. Ist der Mensch - wie bei Aristoteles - des guten Handelns f√§hig, kann Herrschaft langfristig zum Gl√ľck des Einzelnen im Sinne eines tugendhaften Lebens f√ľhren. Im Denken des christlichen Mittelalters ist Herrschaft ein Ausdruck der g√∂ttlichen Heilsordnung, in die der Mensch eingebunden ist. F√ľr Augustinus ist Herrschaft eine Folge des S√ľndenfalls, um mit ihrer Hilfe dessen Folgen einzugrenzen. Thomas von Aquino gibt der Herrschaft eine naturrechtliche Deutung, indem er ihren Ursprung als Beziehung zwischen ¬Ľfreien Menschen¬ę in die Zeit vor dem S√ľndenfall verlegt. In der fr√ľhneuzeitlichen F√ľrstenspiegelliteratur wurden die Aufgaben eines ¬ĽHerren¬ę als christlichen Dienst, als ¬ĽKnechtschaft¬ę, begriffen: ¬ĽF√ľrsten m√ľssen ihrer Diener Knechte sein¬ę. J. Bodin unterschied zwischen der (negativ zu bewertenden) ¬Ľmonarchie seigneuriale¬ę und der (positiv anzusehenden) ¬Ľmonarchie royale¬ę, zwischen gesetzm√§√üiger Gewaltaus√ľbung und ihrem tyrannischen Missbrauch. J. Calvin stellt die Obrigkeit unter die Herrschaft des Gesetzes. Gilt der Mensch als ein Wesen, das sich vor sich und seinesgleichen sch√ľtzen muss (T. Hobbes und J. Locke), gr√ľndet Herrschaft im Schutzbed√ľrfnis des Menschen, ihr Zweck ist das √úberleben des Menschen, ihr Instrument ist der Staat als H√ľter des Rechts. I. Kant sah in der Herrschaft des Staates das begr√ľndende, stabilisierende Element der Gesellschaft, das jedoch im Hinblick auf die Neigung des Menschen zur Gewalt als Korrektiv eines Wertesystems (Ethik) bedarf. Ist der Mensch v. a. ein Wesen der Vernunft, k√∂nnen - so bei G. W. F. Hegel - die privaten mit den allgemeinen Zwecken der Gesellschaft identisch werden; der Zwangscharakter der Herrschaft des Menschen √ľber den Menschen l√∂st sich zwar auf, kann aber in der Realit√§t zu autorit√§ren Herrschaftsformen f√ľhren. Nach K. Marx und F. Engels soll nach der revolution√§ren Umwandlung der kapitalistischen Gesellschaft die allm√§hliche Auss√∂hnung von Mensch und Natur einhergehen mit dem allm√§hlichen Absterben des Staates und dem Verschwinden jeglicher Herrschaft; dieser Prozess m√ľnde in die klassenlose Gesellschaft. Im Gegensatz zum Marxismus fordert der Anarchismus (u. a. M. A. Bakunin, P. A. F√ľrst Kropotkin, S. G. Netschajew) die unmittelbare Herrschaftsfreiheit, die Aufhebung jeder Beschr√§nkung der individuellen Gewalt.
 
 Formen der Herrschaft (Typologie)
 
Nach den der Herrschaft zugrunde liegenden Interessen, Zielsetzungen, Anspruchs- und Anerkennungshaltungen, nach den Techniken und Mitteln der Machtaus√ľbung gibt es verschiedene Formen der Herrschaft: Monarchie und Republik, Diktatur und Demokratie. Innerhalb dieser Herrschaftsformen k√∂nnen sich Strukturen der Oligarchie oder der Plutokratie entwickeln. Gegen√ľber diesen nach der Anzahl der Herrschenden bestimmten Systemen gibt es solche, die bestimmte Standes- und Personengruppen in das Zentrum des Herrschaftsaufbaues stellen: Aristokratie, Hierokratie, Gerontokratie. Die Formen der B√ľrokratie und Technokratie bauen idealtypisch auf besonderen F√§higkeiten, die Meritokratie auf bestimmten Verdiensten auf.
 
In seinen f√ľr die modernen sozialwissenschaftlichen Forschungen grundlegenden Untersuchungen zur Herrschaftsfrage unterscheidet M. Weber drei idealtypische Formen von Herrschaft: 1) die rationale (legale) Herrschaft aus dem Glauben an die Legalit√§t gesetzter Ordnungen und an das Anweisungsrecht ihrer Vertreter (Verwaltung, B√ľrokratie); 2) die traditionale Herrschaft, die von der Heiligkeit und Unantastbarkeit alt√ľberkommener Ordnungen und Gewalten ausgeht (Gerontokratie, Patriarchat, St√§ndewesen, Patrimonialstaat); 3) die charismatische Herrschaft, die ihre Macht - mehr auf irrationalem als auf rationalem Wege - aus den au√üergew√∂hnlichen Qualit√§ten einer Einzelpers√∂nlichkeit gewinnt.
 
Ungeachtet der Anwendbarkeit dieser Unterscheidungsverfahren richtet sich das Interesse der zeitgen√∂ssischen Sozialwissenschaft mehr auf strukturelle Herrschaftsph√§nomene und die in der Gegenwart gleichzeitig anzutreffenden Strukturtypen von Herrschaft; besonders die Politikwissenschaft widmet sich dem vergleichenden Studium der Herrschaftsformen: Bei der Typologisierung m√ľssen sowohl das Regierungssystem als auch die innergesellschaftlichen Machtverh√§ltnisse und ihre Strukturen ber√ľcksichtigt und entsprechende Unterscheidungskriterien gefunden werden. Es werden in der Regel zwei Grundtypen staatlicher Herrschaft unterschieden: die konstitutionelle oder demokratische Herrschaft sowie die autokratische oder diktatorische Herrschaft. Als konstitutionelle oder demokratische Herrschaft wird ein Herrschaftssystem verstanden, in dem Gewaltenteilung in der Regierungsweise, pluralistische Strukturen in den Herrschaftsverh√§ltnissen der Gesellschaft, die Geltung der Menschenrechte und die Beteiligung des Staatsb√ľrgers an der Aus√ľbung der staatlichen Herrschaft sichtbar werden. Staaten, in denen diese Prinzipien nicht beachtet werden, gelten als autokratisch-diktatorische Herrschaftssysteme; dabei ist meist eine starke ideologische Durchdringung von Staat und Gesellschaft festzustellen.
 
 Sozialer Wandel und Legitimation von Herrschaft
 
√úber die Analyse institutioneller Machtstrukturen hinaus untersuchen Sozialwissenschaftler und Gesellschaftstheoretiker das Ph√§nomen der Herrschaft besonders auch unter dem Aspekt des ¬Ľsozialen Wandels¬ę und des ¬Ľsozialen Konflikts¬ę. Es wird gefragt, unter welchen sozialhistorischen Umst√§nden eine bestimmte soziale Klasse zur politisch herrschenden Klasse wird (G. Luk√°cs), aufgrund welcher ideologische und sozialtechnische Entwicklungen ein Wechsel der Herrschaft, d. h. ein Wechsel der F√ľhrungseliten (V. Pareto), stattfindet, oder welche sozialen Umst√§nde den Abbau der Herrschaft von Menschen √ľber Menschen gef√∂rdert haben (K. Mannheim, H. Marcuse).
 
Jeder grundlegende gesellschaftliche Wandel f√ľhrt zu ver√§nderten Legitimationsgrundlagen von Herrschaft und damit oft zum innergesellschaftlichen Konflikt um Sicherung oder Erringung von Herrschaftspositionen. Die Legitimation von Herrschaft als √∂ffentliche Rechtfertigung ihrer Zwecke ger√§t in eine Krise, wenn Entscheidungen zwischen konkurrierenden Herrschaftszielen notwendig werden. In der Legitimationskrise der Herrschaft steht deren Integrationsfunktion infrage. Um diese Entwicklung zu vermeiden, wird der Abbau sozialer Ungleichheit immer st√§rker zum Kriterium legitimer Herrschaft.
 
 Geschichtliches
 
Im r√∂mischen Rechtsdenken bezeichnete der Begriff ¬Ľdominium¬ę zun√§chst speziell die unteilbare, auf ¬Ľauctoritas¬ę gegr√ľndete Gewalt des ¬Ľpater familias¬ę (des Hausherrn), sp√§ter allgemein die Gewalt √ľber Eigentum und Personen. Im mittelalterlichen Grundverst√§ndnis verblieb Herrschaft stets im Schatten des konkreten Begriffs ¬ĽHerr¬ę; die unmittelbare, personale Herrschaft geh√∂rte zur Alltagserfahrung der Menschen in Europa. Sie hatte ihren Ursprung in der Hausherrschaft, aus der sich die Grundherrschaft entwickelte. Im fr√ľhen Mittelalter gr√ľndete Herrschaft auf dem Verbund von Personen, die durch ¬ĽGefolgschaft¬ę und Huldigung miteinander verbunden waren. Mit der Ausbildung des Lehnswesens fand diese Herrschaftsform ihre spezifische mittelalterliche Auspr√§gung in der Lehnsherrschaft. Seit dem 13. Jahrhundert trat mit der Ausbildung der Landesherrschaft das Territorialprinzip an die Stelle des Personalprinzips, bei gleichzeitigem Aufkommen des St√§ndewesens. Das Mittelalter ist charakterisiert durch das Neben- und Miteinander verschiedener Formen von Herrschaft, die durch die Anerkennung von ¬ĽFreiheiten¬ę und die Verleihung von ¬ĽPrivilegien¬ę noch stark differenziert wurden. Im Gegensatz zur einheitlichen Staatsgewalt in der heutigen Zeit bestanden neben der weltlichen noch die geistliche Herrschaft; es gab die Leib-, Vogt- und Dienstherrschaft. Alle Herrschaft sch√ľtzte und wahrte nicht nur das Recht, sondern blieb auch an das Recht gebunden. Herrschaft schloss dabei den Kampf um wirkliche oder vermeintliche Rechte ebenso ein wie das Widerstandsrecht gegen ¬Ľungerechte Gewalt¬ę.
 
In der Neuzeit bezog sich der Begriff Herrschaft zunehmend auf den Staat als die √ľbergreifende politische Einheit. Dass der F√ľrst nur der ¬Ľerste Diener des Staates¬ę sei, fasste im Sinne eines Leitspruchs (Friedrich II. von Preu√üen) den √úbergang von der personalen zur abstrakt-theoretischen Auffassung von Herrschaft zusammen. Seit der Aufkl√§rung entwickelte sich der Begriff Herrschaft unter Absehung von ¬ĽHerren¬ę zu einem Theoriebegriff: Der Herrschaft von Personen wurde die ¬ĽHerrschaft des Gesetzes¬ę oder die ¬ĽHerrschaft des Menschen √ľber sich selbst¬ę entgegengestellt. In der Epoche der Franz√∂sischen Revolution von 1789 entwickelte sich auf dieser Grundlage ein Neuverst√§ndnis von Herrschaft, Staat und Gesellschaft, von Freiheit und Gerechtigkeit. In einem st√§ndigen Wandel und in einer starken Differenzierung der Legitimit√§tsgrundlagen entwickelten sich neue Herrschaftsformen. In Auseinandersetzung mit den Ideen der Aufkl√§rung und der Franz√∂sischen Revolution ma√ü der Konservativismus die Legitimit√§t von Herrschaft vordringlich an der Achtung √ľberkommener Lebens- und Herrschaftsanschauungen; der Liberalismus in seinen historisch sehr unterschiedlichen Formen betrachtete Herrschaft besonders unter dem Aspekt der Kontrolle der Macht (¬Ľverfassungsm√§√üige Regierung¬ę, ¬Ľgesetzm√§√üige Verwaltung¬ę). In der Konfrontation mit den Problemen der sich entwickelnden Industriegesellschaft stellte die Arbeiterbewegung und der von ihr getragene Sozialismus den sozialen Ausgleich, die soziale Besserstellung bisher benachteiligter Gruppen (Klassen) als Ma√üstab einer ¬Ľgerechten Gesellschaft¬ę in den Vordergrund; der Marxismus entwickelte die ¬ĽDiktatur des Proletariats¬ę als Herrschaftsform, die vom Leninismus zu einer diktatorischen Einparteienherrschaft weiterentwickelt wurde. Die Verabsolutierung der Nation f√ľhrte - oft begleitet von rassistischen Vorstellungen - zu diktatorischen Herrschaftssystemen, indem sich eine Mehrheit oder Minderheit in den alleinigen Besitz des Herrschaftsapparates setzte oder unter Verletzung der Menschen- und B√ľrgerrechte sich einen solchen schuf (Faschismus, Nationalsozialismus). Die gesamtheitliche Unterwerfung einer Gesellschaft und ihrer Herrschaftsstruktur unter den Machtanspruch einer Gruppe und die gesamtheitliche Durchdringung mit einer Alleing√ľltigkeit beanspruchenden Ideologie wird oft unter dem Begriff Totalitarismus zusammengefasst und ist sowohl unter sozialrevolution√§ren als auch nationalistisch-rassistische Vorzeichen zu finden.
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Absolutismus ¬∑ Aristokratie ¬∑ Autorit√§t ¬∑ B√ľrokratie ¬∑ Charisma ¬∑ Demokratie ¬∑ Diktatur ¬∑ Elite ¬∑ Feudalismus ¬∑ F√∂deralismus ¬∑ F√ľhrerprinzip ¬∑ Gerontokratie ¬∑ Gewalt ¬∑ Gewaltenteilung ¬∑ Gottesgnadentum ¬∑ Grundherrschaft ¬∑ Hausherrschaft ¬∑ Hegemonie ¬∑ Hierarchie ¬∑ Hierokratie ¬∑ Ideologie ¬∑ Legalit√§t ¬∑ Lehnswesen ¬∑ Macht ¬∑ Meritokratie ¬∑ Monarchie ¬∑ Ochlokratie ¬∑ Oligarchie ¬∑ Parlamentarismus ¬∑ Partei ¬∑ Pluralismus ¬∑ Plutokratie ¬∑ R√§tesystem ¬∑ Revolution ¬∑ Staat ¬∑ St√§ndestaat ¬∑ Technokratie ¬∑ Totalitarismus ¬∑ Tyrannis ¬∑ Zentralismus
 
 
A. R√ľstow: Ortsbestimmung der Gegenwart, Bd. 1: Ursprung der H. (Z√ľrich 1950);
 K. W. Deutsch: The nerves of government (New York 31969);
 K. O. Hondrich: Theorie der H. (1973);
 H. Marcuse: Ideen zu einer krit. Theorie der Gesellschaft (51976);
¬†O. Brunner: Bemerkungen zu den Begriffen ¬ĽH.¬ę u. ¬ĽLegitimit√§t¬ę, in: O. Brunner: Neue Wege der Verfassungs- u. Sozialgesch. (31980);
 M. Weber: Wirtschaft u. Gesellschaft (Neuausg. 19.-23. Tsd. 1985);
¬†H. Arendt: Elemente u. Urspr√ľnge totaler H. (a. d. Engl., Neuausg. 1986);
 R. Dahrendorf: Pfade aus Utopia (Neuausg. 21986);
 M. Horkheimer u. T. W. Adorno: Dialektik der Aufklärung (Neuausg. 1986);
 J. Langer: Grenzen der H. Die Endzeit der Machthierarchien (1988).
 
Hier finden Sie in √úberblicksartikeln weiterf√ľhrende Informationen:
 
Feudalismus: Familie, Haus, Grundherrschaft im Mittelalter
 

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HeŐ£rr|schaft, die; -, -en [mhd. hńďrschaft = Hoheit, Herrlichkeit, W√ľrde; Hochmut; Recht u. Besitztum eines Herrn; Obrigkeit; oberherrliches Amt u. Gebiet; Herrscherfamilie; Herr u. Herrin, ahd. herscaf(t) = ‚ÜĎHerrschaft (1); W√ľrde; ehrenvolles Amt, zu: hńďr, ‚ÜĎhehr; schon fr√ľh beeinflusst von ‚ÜĎHerr]: 1. <o. Pl.> Recht u. Macht, √ľber jmdn. zu herrschen: eine absolute, unumschr√§nkte, autorit√§re, demokratische H.; die H. des Staates, der Parteien, des Systems; H. und Verbrechernatur Hitlers seien inzwischen ausf√ľhrlich untersucht (Fest, Im Gegenlicht 392); der Diktator bem√§chtigte sich der H. √ľber das Land; die H. [√ľber jmdn., etw.] innehaben, aus√ľben, an sich rei√üen, antreten; seine H. √ľber die ganze Welt ausweiten wollen; unter der H. (Regierungs-, Befehlsgewalt) des Kaisers, des Proletariats; sie waren unter die H. (Regierung) der Spanier gekommen; zur H. gelangen, kommen (die Regierungsnachfolge antreten); √ú der Fahrer verlor die H. √ľber das Auto (konnte das Auto nicht mehr steuern). 2. a) <Pl.> Damen u. Herren [in Gesellschaft]: √§ltere, vornehme -en; fremde -en sind angekommen; ‚ÄěDa wohnen eigentlich keine Leute, sondern -en‚Äú, witzelt der Vater (K√ľhn, Zeit 119); die -en werden gebeten, ihre Pl√§tze einzunehmen; meine sehr verehrten -en!; (ugs.:) Alles, was ich da sage, -en, ist nicht ganz ernst gemeint (Werfel, Himmel 91); *Alte -en (ugs. scherzh.; Eltern); b) (veraltend) Dienstherr von Hausangestellten u. seine Angeh√∂rigen: die -en sind ausgegangen; seiner H. treu ergeben sein; bei einer feinen, g√ľtigen H. dienen; c) Person, die √ľber jmdn. herrscht, bzw. Personen, die √ľber jmdn. herrschen: die allerh√∂chsten -en (veraltend; der Kaiser u. die Kaiserin); wenn die ferne H. starb, gab es keine Stiftung, kein Legat f√ľr die vielen leeren Hilfskassen des Ortes (G. Vesper, Laterna 31); ... Grenzlandbauern. Zu viele Heere sind hier schon durchmarschiert. Und wer Krieg und Pl√ľnderungen √ľberlebte, wurde von der H. drangsaliert (Frischmuth, Herrin 30). 3. (hist.) Besitztum, Landgut eines Freiherrn od. Standesherrn: Die H. Konnern ... besteht aus ungef√§hr dreizehntausend Morgen (Hauptmann, Schu√ü 22); drei Tage vor der R√ľckkehr des Sankt Galler Abtes in seine H. (Meier, Paracelsus 89). 4. *H. [noch mal]! (ugs.; Ausruf des Unwillens; verh√ľll. f√ľr ‚ÜĎHerrgott 1): Also dienstags und freitags. H.! Heute ist ja Dienstag! (Bieler, M√§dchenkrieg 246).

Universal-Lexikon. 2012.

Synonyme:

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Herrschaft ‚ÄĒ ist sozialwissenschaftlich nach dem deutschen Soziologen Max Weber, wie folgt, definiert: ‚ÄěHerrschaft soll hei√üen die Chance, f√ľr einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden.‚Äú[1] Im Unterschied zu seiner Definition… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Herrschaft ‚ÄĒ en 2008. Pays d‚Äôorigine  France Genre musical Cyber M ‚Ķ   Wikip√©dia en Fran√ßais

  • Herrschaft ‚ÄĒ may be: *Herrschaft, a historical and sociological concept *B√ľndner Herrschaft, a region in Graub√ľnden *Herrschaft (territory), a territory assigned to a German Herr, Freiherr or Baron ‚Ķ   Wikipedia

  • Herrschaft ‚ÄĒ Sf std. (9. Jh.), mhd. hńďrschaft, ahd. hńďrschaf(t) Stammwort. Zun√§chst W√ľrde, Ehrenamt , aber auch Herrschaft , also zu hehr, aber von vorneherein unter dem Einflu√ü von Herr. Adjektiv: herrschaftlich. ‚úé HWPh 3 (1974), 1084 1088; G√ľnther, H.… ‚Ķ   Etymologisches W√∂rterbuch der deutschen sprache

  • Herrschaft ‚ÄĒ Herrschaft: Das Wort (mhd. heŐĄrschaft, ahd. heŐĄrscaf‚ÄĻt‚Äļ ¬ĽHoheit, Herrlichkeit, W√ľrde; Hochmut; Recht und Besitztum eines Herren; Obrigkeit; oberherrliches Amt und Gebiet; Herrscherfamilie; Herr und Herrin¬ę) ist mit dem Suffix schaft (s. d.) von… ‚Ķ   Das Herkunftsw√∂rterbuch

  • Herrschaft ‚ÄĒ [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Auch: ‚ÄĘ Kontrolle ‚ÄĘ regieren ‚ÄĘ herrschen (√ľber) Bsp.: ‚ÄĘ Halten Sie den Hund (da) unter Kontrolle. ‚ÄĘ Die Insel ist nicht mehr unter britischer Herrschaft ‚Ķ   Deutsch W√∂rterbuch

  • Herrschaft ‚ÄĒ Herrschaft, 1) Macht, Anderen zu gebieten u. seine Befehle geltend zu machen; 2) eine mit dieser Macht bekleidete Person; so der Landesherr u. seine Familie, der Gutsherr in Bezug auf seine Unterthanen, eine vornehme Person, besonders in Hinsicht ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Herrschaft ‚ÄĒ ‚ÜĎDiktatur, ‚ÜĎRegentschaft, ‚ÜĎRegierung, ‚ÜĎRegime, ‚ÜĎRegiment, ‚ÜĎRegnum ‚Ķ   Das gro√üe Fremdw√∂rterbuch

  • -herrschaft ‚ÄĒ kratie ‚Ķ   Das gro√üe Fremdw√∂rterbuch

  • Herrschaft ‚ÄĒ 1. Alle Herrschaft nimmt einmal ein End . Lat.: Nulla potentia longa est. (Ovid.) (Philippi, II, 51.) 2. Die Herrschaft das Fleisch, das Gesinde die Knochen. B√∂hm.: Maso p√°nŇĮm, kosti sluh√°m. (ńĆelakovsk√Ĺ, 378.) 3. Die Herrschaft ist ein lebendiges ‚Ķ   Deutsches Sprichw√∂rter-Lexikon


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